Timm Rautert

Ich wollte sagen, was die Fotografie ist, was sie ausmacht und das aber nicht über eine wissenschaftliche Arbeit, sondern über Bilder. Ich habe dann mit meiner „Bildanalytischen Fotografie“ begonnen, mit der ich auch mein Diplom machen wollte. Steinert hat aber gesagt: Ist zu kompliziert, lass es sein. Bei ihm ging es ja letztlich um das schöne Bild.

Timm Rautert, geboren 1941 in Westpreußen, wuchs nach der Flucht in Fulda auf. Nach einer Lehre als Schaufenster-, Schrift- und Plakatgestalter studierte er von 1966 bis 1971 bei Otto Steinert an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen Fotografie. Als sein Meisterschüler adaptierte er dessen präzise Bildsprache, wandte sich jedoch gegen die rein subjektive Ästhetik und hin zu soziopolitischen Fragestellungen. So reflektierte er mit seiner Foto-Serie „Bildanalytischen Photographie“ (1968–1974) die Parameter des Mediums (Licht, Zeit, Material). Bereits während seines Studiums widmete sich Rautert auch dem Künstlerporträt. Während einer Reise nach Prag im Jahr 1967 entstanden seine Aufnahmen des tschechischen Fotografen Josef Sudek; anlässlich eines Aufenthalts in New York sein berühmt gewordenes Porträts von Andy Warhol mit geschlossenen Augen. Gemeinsam mit seiner Frau Ute Eskildsen hält er das sozialistische Leipzig in einer Fotoserie fest. Ab den 1970er Jahren arbeitete Rautert als Fotojournalist, vor allem für das ZEITmagazin, und in enger Zusammenarbeit mit dem Journalisten Michael Holzach. Ihre gemeinsame Reportage über die Amish People (1974) in den USA gilt als Meilenstein der Dokumentarfotografie. 1993 erfolgte der Ruf als Professor für Fotografie an die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig wo Rautert bis 2007 lehrte. Timm Rautert lebt und arbeitet in Essen und Berlin.



[ssba]