Das Archiv

„Audioarchiv Kunst“: Stimmen der Kunstgeschichte
Ein Oral Art History Projekt zu den Anfängen der zeitgenössischen Kunst im Rheinland

Idee & Umsetzung: Sabine Oelze und Marion Ritter
Mit Fotos von Albrecht Fuchs

In der Geschichtsforschung ist es längst gängige Praxis: Mittels Originaltönen von Zeitzeugen wird die Vergangenheit als vielstimmiges Gedächtnis wachgehalten. So entsteht eine demokratische Sicht auf das Gewesene, die lebendiger und variantenreicher als die offizielle Perspektive ist. Das Wissen aus erster Hand über die Geschichte der zeitgenössischen Kunst im Rheinland droht verloren zu gehen. Denn die Protagonisten der ersten Stunde, darunter Künstler, Galeristen, Sammler, Kuratoren, Kritiker und andere, sind mittlerweile in einem fortgeschrittenen Alter.

Gerade in der mündlich wiedergegebenen Erinnerung von Begegnungen mit Künstlern, mit für sie wichtigen Personen, ersten Ankäufen und von dem revolutionären Geist, der von der Achse Deutschland – Amerika ausging, liegt eine Qualität, die über das gedruckte Wort hinaus geht.

Die Oral Art History ist eine noch junge Herangehensweise, um Kunstgeschichte zu dokumentieren. In den USA findet sich unter diesem Stichwort bereits im Museum of Modern Art ein umfangreiches Archiv, in dem die Künstler der Sammlung mit eigenen Worten über ihre Werke und deren Entstehungsprozess erzählen.

Aufbruch im Rheinland

„Ein neues Zeitalter hat begonnen“ konstatierte Joseph Beuys, als ihm, Wolf Vostell, Klaus Staeck und dem Galerist Helmut Rywelski (Galerie art intermedia) endlich die Türen der Josef-Haubrich Kunsthalle geöffnet wurden. Es war der Eröffnungstag des Kunstmarktes im Jahr 1970 und der Galerist Rudolf Zwirner hatte kurz zuvor die Türen von innen verschlossen, damit drinnen ein kleiner Kreis von Händlern, Sammlern und Künstlern ungestört mit der Presse sprechen konnte. Erst nach mehrmaligem Klopfen und 30minütiger Diskussion durch die verriegelten Glastüren hindurch ließ man die Künstler und Galeristen schließlich herein.

Die Geschichte des Kunstmarktes ist eine von Exklusivität, von Hoffnungen und Konkurrenz, von Initiativen und Gegeninitiativen, von Gewinnen und Verlusten – und natürlich von der Kunst. Mit dem Aufblühen der Messe wurde sowohl der Stellenwert, als auch der Verkaufswert der Kunst neu definiert. Um der Gegenwartskunst eine breitere Akzeptanz zu ermöglichen, zogen Künstler, Galeristen und Ausstellungsmacher an einem Strang.

Die Entwicklung des Rheinlands zum Kunststandort und die damit verbundene Aufbruchsstimmung, die ab den späten 1960er Jahren Städte wie Köln, Düsseldorf, Aachen, Leverkusen und Wuppertal erfasste, hat mit der heute global vernetzen Branche nicht mehr viel gemeinsam.

Das Audioarchiv Kunst entsteht sukzessive und baut erstmals ein umfangreiches und mehrstimmiges Sound-Archiv über den Zeitgeist und die Entwicklungen der Kunst im Rheinland seit den 1960er Jahren auf. Zu dieser Zeit wurden nirgendwo sonst in Deutschland die wichtigen Kunstströmungen wie die Pop Art, Minimal und Konzeptkunst aus den USA aufgegriffen und konnten sich zu neuen „rheinischen“ Positionen, wie etwa Fluxus, weiterentwickeln. Auch Sparten, wie die neue elektronische Musik, gingen in dieser Zeit mit der Kunst neue Allianzen ein.

In Kürze erscheinen weitere Gespräche, u.a. mit Jürgen Becker, Benjamin Buchloh, Michael Oppitz und Lutz Mommartz.

Das Projekt wird unterstützt vom Landschaftsverband Rheinland und dem Kulturamt der Stadt Köln.

          

Fotorechte, sofern nicht anders angegeben: Albrecht Fuchs für alle Portraits der Zeitzeugen
Wir danken dem Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung e. V. (ZADIK) und dem Rheinischen Bildarchiv für die freundliche Unterstützung durch historisches Bildmaterial.
Sollten trotz unserer Recherche Bildrechte nicht genannt sein, bitten wir um eine kurze Mitteilung (post@audioarchivkunst.de). Wir ergänzen die Angaben umgehend.

Die Nutzungsrechte aller Audiofiles sowie der Fotos von Albrecht Fuchs liegen beim Audioarchiv Kunst e.V.



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