Rudolf Zwirner

Man kommt in einen Festsaal und dicht an dicht sind Kojen und jeder zeigt etwas, was man nur auf der documenta eins und vielleicht zwei so sehen konnte, aber noch nicht im Handel. Die Atmosphäre war elektrisierend und alle schrieben auf einmal, was sie auf dem Kölner Kunstmarkt sahen und es war ja dann auch sofort klar, dass es eine Wiederholung geben müsste.

Rudolf Zwirner gehörte zu den treibenden Kräften des Aufstiegs Kölns zur Kunstmetropole in den 1960er Jahren. Der Erfinder des Kölner Kunstmarktes – der ersten Kunstmesse weltweit – wurde 1933 in Berlin geboren und wuchs in Braunschweig auf. Nach dem Besuch der documenta 1, 1955 in Kassel, brach er sein Studium ab, um sich mit Kunst zu beschäftigen. 1956 absolvierte er ein Volontariat in der Galerie „Der Spiegel“ in Köln-Deutz. In den Räumen von Hein und Eva Stünke trafen sich damals viele Intellektuelle: Heinrich Böll, Wilhelm Nay, Wolfgang Haubrich.
Nach einem kurzen Intermezoo 1957 im Berliner Auktionshaus Gerd Rosen zog es ihn nach Paris, wo er in der Galerie von Heinz Berggruen arbeitete.
1959 ernannte ihn die documenta 2 zum Generalsekretär. In nur einem halben Jahr musste er mit nur einer Mitarbeiterin die Organisation der Großausstellung auf die Beine stellen.

1959 eröffnete er seine erste Galerie – zunächst in Essen. Drei Jahre später zog er nach Köln um, erst in den Kolumba-Kirchhof, später in die Albertusstraße. Dort zeigte er zum ersten Mal in Deutschland Werke der Pop Art. Außerdem veranstaltete er in seiner Galerie legendäre Abendessen mit Daniel Spoerri, er lud Robert Wilson oder Bernhard Minetti nach Köln ein und verhalf Nam June Paik zu Konzert-Performances mit der Cellistin Charlotte Moorman.
1967 bestritt Warhol eine erste Ausstellung bei Zwirner mit Tapetenrollen mit Kuh-Motiven und im Raum schwebenden Silberkissen, die mit Helium aufgeblasen waren.

Wolfgang Hahn (1924 – 1987), Gemälderestaurator am Kölner Wallraf-Richartz-Museum wurde Zwirners erster wichtiger Sammler in Köln. Über ihn lernte er auch Irene und Peter Ludwig kennen, mit denen er regelmäßig nach New York reiste und die er bei Kunsteinkäufen der Pop Art unterstützte.

1966 ebnete er, gemeinsam mit dem Galeristen Hein Stünke, mit der Gründung des Vereins progressiver deutscher Kunsthändler den Weg für den ersten Kölner Kunstmarkt. Vom 13. bis zum 17. September 1967 besuchten 15.000 Kunstinteressierte die Stände der 18 Galeristen im Gürzenich und im Kölnischen Kunstverein. In der Folge dieses Kunstmarktes eröffneten neue Galerien in Köln. Die Kölnische Rundschau sprach von einem regelrechten „Boom“.
Im November 1970 besuchte Zwirner in New York gemeinsam mit Peter Ludwig die Ateliers von Pop-Art-Künstlern und begegnete z.B. John de Andrea oder Duane Hanson.
1976 initiierte Zwirner die Kölner „Premierentage“.



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