Marcel Odenbach

Damals warst Du entweder Maler, Bildhauer, Grafik- oder Performance-Künstler. Wie lange hängt mir noch hinterher, einer der Videopioniere Deutschlands zu sein. Nein, sorry. Ich habe mit Zeichnungen und Performances angefangen und dann habe ich zwei Jahre später Video gemacht, aber das kannst Du nicht in den Köpfen verändern. Das hat noch mit dem Schubladendenken von damals zu tun.

Marcel Odenbach, geboren 1953, wuchs in der Kölner Marienburg auf und kam schon als Jugendlicher in Kontakt mit Kunst. Er wohnte direkt neben den Herstatts, einer kunstsinnigen Familie mit zwei Kindern. Claudia Herstatt, spätere Kunstkritikerin und documenta-Mitarbeiterin, nahm Odenbach mit in die Galerie „Art Intermedia“, die von 1967-1972 von Helmut Rywelski betrieben wurde und als Zentrum der Avantgarde galt. So wurde Marcel Odenbach schon als 17-Jähriger Zeuge legendärer Performances. Trotzdem studierte er nach dem Abitur nicht Kunst, sondern Architektur, Kunstgeschichte und Semiotik in Aachen. In der Anfangszeit seines Studiums verdiente er sich Geld als Aufsicht in der Galerie von Rolf Ricke, wo er Michael Buthe kennenlernte. Parallel machte er eigene Performances und zeichnete. 

Die Sammlerin Ingrid Oppenheim, die im Oktober 1974 ein Videostudio mit Galerie in Köln eröffnete, unterstützte Marcel Odenbach bei der Produktion eigener Videos. Mit Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch gründete Odenbach den Fernsehkanal „ATV“, Alternatives TV. Nach dem Vorbild US-amerikanischer Nachbarschaftskanäle brachten die drei Künstler Kunst auf die Kölner TV-Bildschirme. Marcel Odenbach, der seine Erinnerungen in einem Tagebuch stichwortartig festgehalten hat, erzählt von seiner Politisierung im Zuge der 68er-Bewegung, vom Ende der Konzeptkunst und wie der Malereiboom in den 1980ern seine Wege raus aus Deutschland lenkte.