Klaus Honnef

In Aachen war tote Hose. Wir waren alle unzufrieden und die Menschen meiner Generation litten unter dem Mehltau der Nachkriegsära. Aber es gehrte in der Kultur im Rheinland. Aus dieser Gemengelage fanden sich Leute zusammen, die den ‚Gegenverkehr’ gegründet haben. Kino wurde dort gezeigt, Literatur, Musik. Es beschränkte sich nicht auf die Kunst.

„Zentrum für aktuelle Kunst – Gegenverkehr“ – lautete der Name der Institution, die unter der Leitung von Klaus Honnef 1968 in Aachen entstand. Minimal-, Pop Art oder Konzeptkunst wurden gezeigt. Positionen, die vor allem dem vorherrschenden Geschmack des Informel eine prozesshafte Kunst entgegensetzten. Klaus Honnef war der Kurator für Bildende Kunst. Sein Ehrgeiz lag darin, den engen Horizont der Provinzstadt Aachen zu erweitern. Er lud Mel Ramos, Jörg Immendorff, Peter Roehr, Wolf Vostell oder Daniel Spoerri ein, im „Gegenverkehr“ auszustellen oder zu performen. Gerhard Richter hatte 1969 seine erste institutionelle Übersichtsausstellung im „Gegenverkehr“. Der von Honnef und anderen Künstlern wie Rune Mields gegründete Verein konnte zeitweise 500 Mitglieder verzeichnen.
Die Grenze zwischen Kunst und Leben sollte fallen. Künstler, aber auch experimentelle Filmemacher standen Schlange, um in den zwei Etagen eines ehemaligen Architekturbüros in der Theaterstraße 50 in Aachen auszustellen.
Die Bildende Kunst war Klaus Honnef nicht gerade in die Wiege gelegt worden. Der Kurator, Journalist und Fotografie-Experte wurde am 14. Oktober 1939 in Tilsit geboren. Er wuchs in Aachen auf, studierte 1960 bis 1965 Soziologie und Geschichte in Köln. Als Student arbeitete er als Sportreporter sowie als Film- und Theaterrezensent. 1965 wurde er Ressortchef für Kultur bei den Aachener Nachrichten. Als in Aachen die Galerie Aachen eröffnete, sah er dort erste Ausstellungen internationaler zeitgenössischer Künstler.
1970 wurde er Geschäftsführer des Westfälischen Kunstvereins in Münster. 1972 erhielt er zusammen mit dem Düsseldorfer Galeristen Konrad Fischer die Berufung zum Kurator für die Sektion „Idee und Idee/Licht“ bei der legendären documenta 5 und lud die Avantgarde der Konzeptkunst nach Kassel ein.