Jürgen Harten

Das Musée d’Art Moderne, Départment des Aigles gastierte in einem öffentlichen Kunstinstitut und beanspruchte so etwas wie eine extraterritoriale Hoheit, mit Broodthaers als Direktor. Während der Eröffnungsrede wurde mir klar: Ich musste etwas vermitteln und auch den Widerspruch dessen und dabei auch die Absurdität meiner Rolle und seiner auch. Ich habe gesagt: Dies ist eine Ausstellung der Kunst des 19. Jahrhunderts und im nächsten Satz habe ich gesagt: Dies ist keine Ausstellung der Kunst des 19. Jahrhunderts. Das entsprach strukturell Magrittes „Ceci n’est pas une pipe“.

Jürgen Harten lernte Marcel Broodthaers Ende der 1960er Jahre in Brüssel kennen und war sofort fasziniert von dem belgischen Künstler. Zwischen den beiden entstand eine enge Verbindung. Als Marcel Broodthaers sein Haus in Brüssel im Zuge eines Stadtentwicklungsprojekts räumen musste, zog er nach Düsseldorf um und eröffnete dort 1971 im Keller eines Hauses am Burgplatz die „Section Cinéma“, die siebte Abteilung des berühmtem fiktiven Museums, dem „Musée d’Art Moderne, Département des Aigles“.
Ein Jahr später lud Jürgen Harten ihn ein, in der Düsseldorfer Kunsthalle das „Musée d’Art Moderne, Départment des Aigles, Section Figures“ auszustellen. In diesem Zusammenhang hielt Harten eine Rede auf Kunstwerke, die in der Logik von Marcel Broodthaers Kunstwerke und zugleich keine Kunstwerke waren. Jürgen Harten erinnert sich sehr lebendig an diese Zeit mit Broodthaers in Düsseldorf. An die Kunsthalle Düsseldorf war der gebürtige Hamburger 1969 als Stellvertreter von Direktor Karl Ruhrberg gekommen. Zuvor war der Realschullehrer aus Hamburg Sekretär auf der Documenta 4 1968 in Kassel, die durch zahlreiche Künstler-Proteste in die Kunstgeschichte einging. Sogar Zivilpolizisten mussten in der Ausstellung Wache halten.
Jürgen Harten initiierte 1969 die legendäre Ausstellungsreihe „Between“ in der Kunsthalle, die ganz im Sinne von Broodthaers auch eine „Nicht-Ausstellung“ war.
Über „Between“ wollte Jürgen Harten bei unserem Treffen nicht wieder sprechen. Dafür aber über seine Freundschaft zu Marcel Broodthaers, über die documenta 4 und über die „Prospect“-Ausstellungsreihe mit Kunst der Avantgarde, die zwischen 1968 und 1976 von Konrad Fischer und Hans Strelow in der Kunsthalle durchgeführt wurde.