Friedrich Wolfram Heubach

Ich war froh, wenn ich so ein Interfunktionen-Heft durch den Druck gebracht hatte. Ich habe ja alles selber getippt und diese Titel mit Letraset, wo man jeden Buchstaben von einer Folie abreiben muss, angefertigt. Das war eine irrwitzige Arbeit. Ich war immer fertig und froh, wenn ein Heft aus der Buchdruckerei kam. Kunst musste es nicht sein, es musste einfach nur einen anderen Blick auf die Wirklichkeit eröffnen.

Per Telegramm erfuhr Friedrich Wolfram Heubach 1968 von seiner Ernennung zum Professor an der Lidl-Akademie. Adressiert war das Schriftstück an das Institut für Psychologie an der Kölner Universität, wo der damals 24-Jährige als wissenschaftlicher Assistent tätig war. Sekretärin und Professor gratulierten erstaunt zu dieser Blitzkarriere und waren wenig amüsiert, als sich herausstellte, dass es sich nur um einen imaginären Titel handelte.
Wolf Vostell, der Absender des Telegramms, war ein enger Freund von Friedrich Wolfram Heubach. Über ihn hatte der kunstinteressierte Psychologe Zugang zur politisch engagierten Kunstszene gefunden.
Auf der documenta 4 beteiligte sich Heubach „als siebtes Rad am Wagen“ an der legendären Protestaktion während der Pressekonferenz der Weltkunstschau. Jörg Immendorf, dessen Frau Chris Reinecke und weitere Künstler, protestierten gegen Arnold Bodes restriktives Ausstellungskonzept der d4. Heubach hatte keinen „Aktionsauftrag“, er hielt das Transparent „Professor Bode, wir Blinden danken Ihnen für diese schöne Ausstellung“.
Wenige Monate nach dem Happening bei der documenta-Pressekonferenz erschien die erste Ausgabe von „Interfunktionen“. Ein inzwischen legendäres Magazin, das ein Konglomerat aus Texten, Interviews, künstlerischen Arbeiten und Dokumenten darstellte. Zwischen 1968 und 1974 erschienen insgesamt zwölf Ausgaben, von denen Friedrich Wolfram Heubach zehn herausgab. Vorbild war Vostells „Décollage“-Heft. Dabei kam Heubach sein handwerkliches Geschick zugute, denn viele Hefte entstanden in Heimarbeit mit Bügeleisen, Klebstoff oder Honig. „Interfunktionen“ bot Künstlern, die nicht auf der documenta 4 dabei waren, wie Richard Long, Dan Graham, Joseph Beuys, Arnulf Rainer, Daniel Buren, Marcel Broodthaers und vielen anderen, eine Möglichkeit, ihre Arbeiten in Magazinformat zu erstellen.