Franz Erhard Walther

Bei meiner Abschiedsausstellung im Mai 1967 in der Akademie in Düsseldorf habe ich meinen Werksatz demonstriert. Sigmar Polke war mein Assistent. Das hatte eine große Wirkung und es wurde groß drüber berichtet. Joseph Beuys hat zu einem seiner Studenten gesagt: Sag dem Walther, der soll hier bleiben und nicht nach New York gehen. Aber das war schon zu spät, ich war schon auf dem Absprung nach New York.

Franz Erhard Walthers Durchbruch ließ etwas auf sich warten. Das Rheinland hat es dem 1937 in Fulda geborenen Künstler nicht gerade leicht gemacht. Mehrfach stellte sich Joseph Beuys quer und sorgte etwa dafür, dass Walther nicht in der Galerie Schmela ausstellen konnte. Auch die Kommilitonen Gerhard Richter, Manfred Kuttner und Konrad Lueg luden ihn nicht zu ihren gemeinsamen Projekten beispielsweise im Möbelhaus Berges ein.

Franz Erhard Walther hielt unbeirrt an seinen Ideen von einer handlungsorientierten Kunst fest. Als er 1961 von der Städelschule in Frankfurt am Main zwangsexmatrikuliert wurde, suchte er sich einen neuen Studienort und landete 1962 in der Klasse von Karl Otto Götz an der Kunstakademie in Düsseldorf. Mit Kuttner, Richter, Reinecke und Walther war in der Klasse die richtige „kritische Masse“ zusammengekommen.

Während dieser Zeit sorgte die Pop Art in Düsseldorf für Furore, doch Walther interessierte sich eher für das Engagement von Jörg Immendorff und Chris Reinecke. Während der Soirée „Frisches“ in der Wohnung von Immendorff und Reinecke, die damals miteinander verheiratet waren, kam es zu lustigen Missverständnissen, als Charlotte Moorman eine seiner Arbeiten aus dem ersten Werksatz auseinanderrollte oder Nam Jun Paik den an ihn übergebenen Reis an die Anwesenden verteilte.

Mit seinem Umzug 1967 nach New York wendete sich für Walther das Blatt. Das MoMA lud ihn zu einer Gruppenausstellung ein und Kasper König brachte mit ihm ein Buch heraus, die erste Publikation des Verlags Gebrüder König Köln-New York. 1971 wurde Walther mit 31 Jahren Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. In seiner Klasse studierten Martin Kippenberger, Jonathan Meese und John Bock.