Eduard Beaucamp

Als es hieß, ich sollte das übernehmen, sagte der FAZ-Herausgeber: ‚Was? Ich bin Barone und Herren gewöhnt!’ Das war erst schwierig als zerlumpter Student, der gerade von der Uni gekommen ist. Ich hatte dann den Ehrgeiz, möglichst viele Kritiker an das Blatt zu binden, auch international. So fand ich Georg Jappe für Köln, Werner Spies für Paris, Strelow für Düsseldorf. (…) Die sollten Herren ihrer Royaume sein.

Als Eduard Beaucamp 1966 zum Leiter des Kunstressorts der FAZ berufen wurde, herrschte dort eine sehr elitäre Atmosphäre. Trotzdem durfte der junge Kunstkritiker selbständig entscheiden, welche Mitarbeiter er in der Redaktion beschäftigte. Für das Rheinland waren Georg Jappe und Hans Strelow zuständig. Manchmal habe „sein Stuhl gewackelt“, wenn er Aktionen von Joseph Beuys ins Blatt brachte, erzählt Beaucamp.

Geboren wurde der Publizist und Kunstkritiker 1937 in Aachen. Er wuchs mit der Kunst der Moderne auf, begeisterte sich für Picasso und Cézanne, deren Ausstellungen er schon in den 1950er Jahren in Köln sehen durfte. Nach einer Ausbildung im Kölner Bachem-Verlag fing er neben seinem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte an, für Zeitungen zu schreiben. Für ihn doch eher überraschend wurde er zum Kunstkritiker der FAZ ernannt. Beaucamp erinnert sich, wie die ersten großen Privatsammlungen mit zeitgenössischer Kunst entstanden und wie im Zuge dessen Karl Ströher und Peter Ludwig um die Werke der Pop Art wetteiferten. 

Über die Familie van der Grinten lernte Beaucamp Joseph Beuys kennen. Beaucamp war offen genug, um eine frühe Performance von Joseph Beuys auch in der FAZ zu besprechen, was den Sammler Ströher bestärkte, in diese neue Kunst zu investieren. So trug Beaucamp indirekt dazu bei, dass der Beuys-Block nach Darmstadt kam. 

Auch die Aktivitäten von Franz Dahlem und Heiner Friedrich beobachtete Beaucamp genau. Die jungen Galeristen verstanden ihr Handwerk und vermittelten die Pop Art-Sammlung von Leon Kraushaar – damals die größte Pop Art Sammlung der Welt – an Karl Ströher und später auch an Peter Ludwig. 

Eduard Beaucamp erzählt, warum er mit dem Informel nicht richtig warm wurde und er erinnert an die ambivalente Rolle von Hein Stünke und dessen Frau Eva, die sich trotz ihrer Verstrickungen in den Nationalsozialismus um die Kunst der Moderne in der Nachkriegszeit verdient machten. Er bricht eine Lanze für die Kunst der DDR, für die er sich kurz vor und insbesondere nach dem Fall der Mauer engagiert. Die Leipziger Schule ist ihm zu einer Herzensangelegenheit geworden. Er hält ihre Kunst für aufrichtiger und glaubwürdiger als die Werke so manchen Malerstars, der ab den 1970er, aber vor allem im Aufblühen des Kunstmarkts der 1980er Jahre im Rheinland viel Geld verdiente.