Dietmar Schneider

Es war ein Wahnsinn, die Firmen zu überzeugen. Das Schaufenster war damals ja noch sehr wichtig. Ich habe die überzeugt, das Schaufenster freizumachen. Stollwerck hatte 19.000 DM Verlust, oder Wormland – in der Hauptvitrine hat Mack einen Rotor reingebaut -, die hatten über 20.000 DM Verlust in den drei Wochen.

1969 fand das erste von Dietmar Schneider organisierte Ausstellungsprojekt „Aktuelle Kunst Hohe Straße, Köln“ statt. Kölns bekannteste Geschäftsstraße verwandelte sich in eine Galerie auf Zeit. Dietmar Schneider, der im Hauptberuf als Versicherungskaufmann arbeitete, überredete Kölner Geschäftsleute, ihre Schaufenster, Verkaufs- und Schalterräume für Ausstellungen frei zu räumen. Anfangs waren es zehn, später 40 bis 70 Händler, die mitmachten und Arbeiten zeitgenössischer Künstler in den Schaufenstern präsentierten. Es beteiligte sich Günther Uecker genauso wie Dieter Roth oder Joseph Beuys. Diese ungewöhnliche Aktion fand schnell ein großes Echo: Die Medien waren begeistert, das Laufpublikum auf der Hohe Straße bekam eine Lektion in aktueller Kunst verpasst und die Galeristen freuten sich über eine zusätzliche Einnahmequelle. Bis 1973 wiederholte sich „Aktuelle Kunst Hohe Straße, Köln“ jährlich. Dann wurde das Projekt eingestellt. Aber Dietmar Schneider agierte weiter als Vermittler der zeitgenössischen Kunst. 1979 gab er die erste Ausgabe der „Kölner Skizzen“ heraus, einem Heft, das viermal jährlich erschien und kostenlos in Museen auslag. Je ein Künstler stand pro Ausgabe im Fokus, dazu veröffentlichte Dietmar Schneider von ihm selbst aufgenommene Künstlerporträts in Schwarzweiß. Etwas später – in den 1980ern – initiierte Schneider gemeinsam mit der Firma 4711 den „Kunstpreis Glockengasse“. In den 1990ern trieb Dietmar Schneider Geld für den Toyota Fotokunstpreis auf, der alle zwei Jahre an Künstlerinnen und Künstler verliehen wurde, die im Rheinland tätig waren.