Carl-Werner Rosarius

Das ist ja eine Unverschämtheit, das soll hier Kunst sein? Radiergummi? Wurde geholt. Weil wir es nicht geglaubt haben, haben wir Cy Twomblys ‚Gestures‘ zum Teil wegradiert. Heute liegen die Zeichnungen wahrscheinlich in den Museen hoch geschützt und sind von uns bearbeitet.

Schon während seiner Studienjahre begann der Mediziner Carl-Werner Rosarius, Kunst zu kaufen und zu sammeln. Dies jedoch nicht, ohne anfängliche Irritation und Verärgerung angesichts der noch jungen und neu aufkommenden Kunstrichtungen. Die Freundschaft zu Rudolf Zwirner verschaffte ihm früh den Zugang zur Pop Art und Einblicke in die Welt des Kunsthandels. Die Szene im Rheinland war ihm dabei ebenso vertraut, wie die Galerien in New York und die Deals, die dort in den Hinterzimmern gemacht wurden.
Als Joseph Beuys und andere Protestierende gegen die verschlossene Eingangstüre der Kölner Kunsthalle hämmerten und lautstark den Einlass in den Kunstmarkt forderten, stand der 1939 geborene Kölner auf der anderen Seite der Türe und hatte Muffensausen. Er gehörte zu den geladenen Gästen der Veranstaltung und wollte sich eigentlich das Messetreiben anschauen. Dass die Kunstwerke Preise hatten, war für ihn dabei lediglich ein Aspekt der Ware Kunst. Vielmehr konnte ihn der Idealismus und die Aufbruchstimmung der Künstler und Händler der Zeit begeistern und mitreißen.
Mit der Kunst zu leben, sie nach einer Weile aber auch in die Museen zu entlassen gehört mit zu den Überzeugungen des bis heute enthusiastischen Sammlers.