Birgit Hein

Ich war so unheimlich nervös und bin nach hinten in die Halle gegangen, wollte gucken, ist alles in Ordnung und stehe da vor einer Wand aus Polizisten. Dann bin ich sofort zurück gerannt, um die vorne am Projektionspult zu warnen. Und da kam schon die Treppe vom Neumarkt runter der Trupp mit den Fotografen und den Beschlagnahmejuristen.

Dass sie einmal skandalträchtig mit dem Pornografie-Paragraphen in Berührung kommen würde, ahnte Birgit Hein 1962 noch nicht. Die gebürtige Berlinerin hatte, gerade zwanzigjährig, lediglich drei Spielfilme gesehen, einer davon war „Das Wirtshaus im Spessart“. Eigentlich hatte sie zu dieser Zeit einen Studienplatz an der Düsseldorfer Kunstakademie sicher, schwenkte dann aber noch einmal um auf ein Kunstgeschichtsstudium in Köln. Sie müsse das Geld verdienen, wenn der zukünftige Ehemann ein Künstler sei, hatten die Eltern ihr geraten. Aus ihrer Beschäftigung mit der modernen Kunst heraus entwickelte sich zunehmend auch Heins Interesse am Avantgardefilm. Gemeinsam mit ihrem Mann Wilhelm Hein entstanden bereits Mitte der 60er Jahre die ersten eigenen Experimentalfilme.
Als sie mit ihrem ersten gemeinsamen Film auf Knokkes renommiertes Filmfestival eingeladen werden, lernen die Heins nicht nur die internationale Filmszene kennen, sondern treffen auch auf engagierte Kölner Filmkritiker. Mit ihnen gründen sie XScreen – das Kölner Studio für den unabhängigen Film. Der Verein, der den amerikanischen und europäischen Underground-Filmen ein Forum bot, kam mehrmals mit der Polizei in Kontakt, weil er die Zensur ignorierte. Bei einer Filmvorführung von XScreen während des 2. Kölner Kunstmarktes wurden, mit großem Polizeiaufgebot, die Filme von Otto Mühl beschlagnahmt. Der Einsatz löste zahlreiche Proteste und Diskussionen über die Freiheit der Kunst in Köln aus.
Das Künstlerpaar Hein war sowohl 1972 bei Harald Szeemann, als auch 1977 bei Manfred Schneckenburger auf der documenta mit Filmarbeiten vertreten.